«Retter sollten vor den möglichen Tätern da sein»

«Retter sollten vor den möglichen Tätern da sein»

Heilsarmee-Offizierin Danielle Strickland.
Heilsarmee-Offizierin Danielle Strickland.
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Heilsarmee-Offizierin Danielle Strickland setzt für Opfer von Menschenhandel ein.

Dunkle Orte sind der Kanadierin Danielle Strickland bestens bekannt. Sie handelte mit Drogen, konsumierte selbst welche und landete im Knast. Heute setzt sie sich als Heilsarmee-Offizierin für Opfer von Menschenhandel ein. Am Rande der «Explo 17» in Luzern gewährte sie Livenet.ch einen Einblick in ihre Arbeit.

Danielle Strickland sieht viele herzzerreissende Situationen. Doch sie wendet sich weder ab, noch lässt sie sich davon übermannen. Im Gegenteil: Sie reagiert mit ganzheitlichen Programmen, um dem Elend zu begegnen mit dem Ziel, dass christliche Gemeinden einen Unterschied machen. «Meine Leidenschaft ist es, Menschen zu mobilisieren», sagt Danielle Strickland, die Zentren für Obdachlose aufgebaut hat, sowie Sicherheitshäuser für Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind.

«Ich habe Jüngerschafts-Programme in Problemzonen in verschiedenen Ländern rund um den Globus durchgeführt.» Dazu gehören Systeme, durch die erkannt wird, wo Frauen Opfer von Menschenhandel geworden sind. «Kürzlich habe ich ein Projekt namens 'Brave' gegründet. Damit sollen Mädchen gefunden werden, die in Gefahr sind, gehandelt zu werden – mit dem Ziel, dass wir sie entdecken, bevor es so weit kommt.» Dabei geht es um Mädchen im Alter von 11 bis 18 Jahren.

Fälle werden schneller erkannt
Es gebe auch gute Nachrichten, denn das Problem werde mehr und mehr publik. Und wo entsprechende Fälle existieren, werden diese schneller erkannt, «so dass wir schneller eingreifen können», bilanziert Danielle Strickland. «Ich sprach kürzlich mit einer Frau, die bei der Homeland Security arbeitet, über die Menschenhandel-Statistik. Das Problem scheint in den USA zu wachsen. Doch was eigentlich wächst, ist die Anzahl der Menschen, die Fälle zu melden. Das sind gute Nachrichten, weil das Problem erkannt wird; früher war es unsichtbar. Doch je mehr Menschen sich dessen bewusst sind, desto mehr können involviert werden und helfen, es zu stoppen.»

Rettung über den Wolken
Danielle Strickland ist traurig über das, was geschieht, und gleichzeitig froh, dass sie helfen kann, einen Unterschied zu machen. «Es bekümmert mich, vor allem wenn ich die Opfer kennenlerne und höre, was ihnen passiert ist. Dann höre ich auch hoffnungsvolle Geschichten. Ein Freund von mir besuchte zum Beispiel ein Trainingsprogramm, das eine Stunde dauerte und wo erklärt wurde, wie die Zeichen aussehen und wie man reagieren kann. Dann flog er zurück in sein Heimatland. Im Flugzeug war ein Mädchen mit einem älteren Mann. Sie sah sehr traurig aus und er liess sie nie alleine auf die Toilette gehen und sie durfte mit niemandem sprechen.»

Stricklands Bekannter gab einer Flugbegleiterin ein Zeichen. «Sie sagte, dass ihr das ganze ebenfalls verdächtig vorkam. Der Zielflughafen wurde verständigt, der Mann wurde vom Sicherheitsdienst abgefangen und es stellte sich heraus, dass das Mädchen tatsächlich gehandelt worden wäre.» Dies sei ein grossartiges Beispiel und der Mann, der Courage zeigte, «war kein Experte. Er war einfach auf einem Seminar und hatte die Zeichen erkannt und verhindert, dass jemand durch die Hölle geht.»

Die Befreier sollten zuerst da sein
Es sei wichtig, dass Christen involviert sind, «denn wir haben so viel erhalten. Wir haben das Mandat von Jesus, mit den Unterdrückten zu stehen und unsere Stimme für die zu erheben, die keine haben.» Jesus selbst sei aufgestanden für die Waisen und Unterdrückten und die Fremden, «das sind für mich alles Dinge, die mit dem Glauben zusammenhängen.»

Dazu gehört das erwähnte Projekt Brave. «Wir versuchen, Kirchen dafür zu mobilisieren, für gefährdete Mädchen da zu sein, bevor sie Opfer von Menschenhandel werden. Das ist eines der Projekte, das mich seit Jahren am meisten begeistert. Rund 80 Prozent der Betroffenen kommen aus der Fürsorge oder sind Waisen. Das ist überall auf der Welt so. Und wenn die Menschenhändler wissen, woher sie die Mädchen bekommen, warum sollten dann die Befreier die Mädchen nicht vor ihnen finden?» Es sei ein Rennen darum, zuerst da zu sein.

Das Chaos
Danielle Strickland sieht viele dunkle Orte. Halt findet sie im christlichen Glauben. «Als Gott die Erde erschuf, tat er das nicht aus dem Nichts heraus, sondern aus dem Chaos. Die Bibel beschreibt ein tiefes, dunkles Chaos. Wenn wir sehen, was heute auf der Welt geschieht, würden wir das als dunkel, chaotisch und beängstigend beschreiben.»

Die Bibel berichtet, dass der Geist Gottes über dem Chaos schwebte und Gott Licht, Land, Leben und Zeiten schuf. «So ist es auch heute. Man sieht, wie der Geist Gottes über den schlimmsten Orten der Welt schwebt und wartet, um Leben an diese Orte zu bringen. Das ist die Arbeit der Christen. Ich bin begeistert. Nicht naiv begeistert, sondern ehrlich begeistert davon, was Gott für die Welt, in der wir leben, geplant hat.»

Autor
Quelle: Livenet.ch (04.01.2018)