Als der Bären Flüchtlinge aufnahm

Als der Bären Flüchtlinge aufnahm

Auch die Heilsarmee ist Teil der 600-jährigen Geschichte des Bären in Sumiswald.

Der Bären blickt auf eine 600-jährige wechselvolle Geschichte zurück. In Jeremias Gotthelfs «Schwarzer Spinne» spielte der Gasthof ebenso eine Rolle wie später fürJugendliche ausSri Lanka, die darin Unterschlupf fanden. Heute floriert der Landgasthof Bären in Sumiswald. Aber das war nicht immer so. In den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts kehrten immer weniger Gäste ein, und 1988 wurde das Restaurant sogar geschlossen.«Im Jahr darauf zogen über fünfzig, überwiegend minderjährige Kriegsflüchtlinge aus Sri Lanka in die Liegenschaft», erinnert sich Dieter Sigrist. Der Lokalhistoriker blickte einst in einem Text für das Gemeindeorgan «Di schwarzi Spinnele» auf diese Zeit zurück. Dort schreibt er, dass die Jugendlichen nicht mit offenen Armen empfangen wurden; dunkelhäutige Teenager in solcher Zahl waren neu für die Sumiswalder Dorfgemeinschaft. Die anfängliche Skepsis sei dann überraschend schnell in Wohlwollen umgeschlagen. Die Leute merkten rasch, dass die jungen Flüchtlinge bei den Aufräumarbeiten im sanierungsbedürftigen Bären tatkräftig Hand anlegten.

Und auch die von einem Leiterteam organisierten Informationsabende hätten vielen die Augen geöffnet: Hier waren Kinder und Jugendliche gekommen, die arbeiten konnten und lernen wollten. «Jedoch blieben die jungen Menschen nur ein Jahr», sagt Dieter Sigrist. Denn der Bären wechselte den Besitzer, wurde renoviert und wiedereröffnet. Die Heilsarmee indessen, die das Flüchtlingszentrum betrieben hatte, zog mit den Jugendlichen in die alte Käserei auf die Schonegg, wo sie 1990/1992 lebten. Nach der Renovation 1990 erstrahlte der geschichtsträchtige Bären in neuem Glanz.
Die Wiedereröffnung des renovierten Bären liegt nun knapp dreissig Jahre zurück. Seither kam es nur noch einmal zu einem Wirtewechsel. Seit 1995 ist der Bären im Besitz der Familie Hiltbrunner.

Stefan Hiltbrunner hat die alten Zeiten des Gasthofs aufgearbeitet, denn das herrschaftliche Haus schaut auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurück.
So erzählt er etwa, dass die Liegenschaft 1807 bis auf die Grundmauern niedergebrannt und an gleicher Stelle wieder aufgebaut worden sei. Die erste Erwähnung des Bären reicht jedoch viel weiter zurück. Jeremias Gotthelf schrieb in seiner Novelle «Die schwarze Spinne» über den Gasthof und nannte die Jahrzahl 1434. In dem Buch schildert der Schriftsteller, wie im Emmental die Pest grassierte. Und dass die letzten überlebenden Männer, zwei Dutzend an der Zahl, sich im Bären zum Totenmahl versammelten.
«Man sagt, dass die Männer an einem Tisch Platz gefunden haben», fügt Stefan Hiltbrunner hinzu und erwähnt den runden «Spinnentisch», der noch heute im Bären stehe.

Auch berichtet der Wirt von einem alten Reiseführer, in dem der Gasthof als beliebter Treffpunkt für Leute aus aller Welt angepriesen wurde. So stand geschrieben: «In elf Stunden von Luzern und in sechs Stunden von Bern, erreicht man das Dorf bequem mit der Postkutsche.» Vornehme Herrschaften, wie Textilkaufleute aus England, schätzten es, im dreisprachig geführten Gasthof abzusteigen. Doch nach und nach verdrängte die Eisenbahn die Postkutsche.
Auf diesen Zug wollte auch der damalige Besitzer aufspringen. «Im Hinblick auf mehr Gäste, die mit der Bundesbahn nach Sumiswald reisen würden, liess er 1896 im zweiten Obergeschoss einen Saal einbauen und aufwendig im Jugendstil bemalen», erzählt Hiltbrunner. Doch die Eisenbahn erreichte Sumiswald erst zwanzig Jahre später, und der Bahnhof befand sich nie auf dem Dorfplateau, sondern immer im Talgrund, im Dorf Grünen. 

 

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Quelle: Berner Zeitung / Ausgabe Burgdorf+Emmental (24.01.2018)