Einsamkeit und Dunkelheit lindern

Einsamkeit und Dunkelheit lindern

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Die Heilsarmee Wattwil versucht, Licht ins Dunkel des Alltags von Flüchtlingen, Einsamen und Randständigen zu bringen.

Auch für Personen am Rand der Gesellschaft ist die Weihnachtszeit speziell. Einsamkeit und seelische Dunkelheit werden stärker erlebt als sonst. Institutionen wie die Heilsarmee versuchen mit verschiedenen Massnahmen, Licht ins Dunkel des Alltags zu bringen. Wattwil Man leiste zwar auch Flüchtlingshilfe im Rahmen der Möglichkeiten, sagt Thomas Heiniger, der zusammen mit Jeanine Walzer die Geschicke der Heilsarmee Wattwil leitet. Die Hilfe bestehe beispielsweise aus der Abgabe von Lebensmittelgutscheinen oder punktueller Betreuung.

Das Duo sieht die Heilsarmee jedoch primär als kirchliche und sozialdienstliche Organisation. Diese Hilfe direkt vor der Tür werde von der Toggenburger Bevölkerung geschätzt und jeweils gerne mit einer Spende unterstützt, stellt Heiniger fest. Man sei beispielsweise mit einem jungen, bedürftigen Einheimischen warme Schuhe kaufen gegangen, weil er im Schnee in Turnschuhen unterwegs gewesen sei. «Die Leute sehen, was mit dem gespendeten Geld passiert und dass es nicht einfach in der Administration verschwindet.»

Bedürfnis nach Gemeinschaft
Die Wattwiler Heilsarmeeverantwortlichen sehen die Probleme von Alleinstehenden nicht nur bei Flüchtlingen, sondern auch bei einheimischen Randständigen gleich: Seelische Mängel, ausgelöst durch Dunkelheit und Einsamkeit.

«Beide Gruppen haben ein Bedürfnis nach Gemeinschaft, und besonders während der Weihnachtszeit fühlen sie sich allein», erklärt Heiniger. Es fehlten die Leute, mit denen man gerne zusammen sei und über alles reden könne. «Wir können helfen, indem wir unsere Türen für jedermann offen halten und für die betreffenden Personen da sind. Wir geben praktische und seelische Hilfe - etwas, das eigentlich jedermann tun kann.» Heiniger kann aber nicht verleugnen, dass es sich dabei aber eigentlich um ein Ganzjahresproblem handelt.

Deshalb biete man praktische und Hilfsdienste im Alltag die ganze Zeit über an. Eines der Angebote nennt sich «MeGa 21» (Messer und Gabel an der Unterdorfstrasse 21), wird von Christian Gauer geleitet und richtet sich an bedürftige und alleinstehende Personen sowie an solche, die Kontakt suchen. Bei einem währschaften Nachtessen können sich die Gäste austauschen und für ein paar Stunden ihren oft schwierigen Alltag vergessen. Der Anlass komme gut an und werde rege benutzt, die Frequenz könne jedoch von Mal zu Mal sehr unterschiedlich sein, konstatiert Heiniger. «Es kommen Randständige, aber auch ältere Menschen, und solche, die allein sind.»

Streng, aber erfüllend
Für die Heilsarmee seien die Weihnachtstage eine strenge, aber erfüllende Zeit, meinen Heiniger und Walzer unisono. Neben der Topfkollekte, die gegenwärtig durchgeführt wird, habe man zusammen mit den Landeskirchen und der Chrischona eine Päckliaktion durchgeführt. Das alles im Bestreben, Flüchtlingen, Einsamen und Randständigen Möglichkeiten zu geben, weiterhin zur Gesellschaft zu gehören und den oft tristen Alltag bewältigen zu können.

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Quelle: Toggenburger Zeitung (20.12.2017)