Varlins "Heilsarmee" in Burgdorf zu sehen

Varlins "Heilsarmee" in Burgdorf zu sehen

Varlin "Die Heilsarmee" / 1963/64 / Öl, Kohle, Acryl, Metall, Stoff auf Holz / 239 × 530 cm / Kunsthaus Zürich / Legat Friedrich Dürrenmatt
Varlin "Die Heilsarmee" / 1963/64 / Öl, Kohle, Acryl, Metall, Stoff auf Holz / 239 × 530 cm / Kunsthaus Zürich / Legat Friedrich Dürrenmatt
© © 2017, P. Guggenheim/ProLitteris, Zurich / Limitierte Rechte

Im Museum Franz Gertsch zeigt der Schweizer Maler Varlin seinen Umgang mit dem Grossformat.

Im Museum Franz Gertsch zeigen die Schweizer Maler Varlin und Franz Gertsch sowie die deutsche Malerin Anja Ganster ihren Umgang mit dem Grossformat. Darunter finden sich inspirierende Formen und betörende Grüntöne. Der Zürcher Maler Willy Guggenheim (1900-1977), besser bekannt als Varlin, zählt zu den bedeutendsten Schweizer Malern, aber leider auch zu den verkanntesten. Dabei qualifiziert insbesondere das ausdrucksstarke Spätwerk ab Ende der 5oer-Jahre den Künstler mit einem Stil, der an Francis Bacon und Lucian Freud erinnert. Schwindende und verzerrte Gesichtszüge dominieren diese Porträts, aber stets zeigt sich auch ein Maler, der fasziniert von Fleischlichkeit ist.
 

Grossformartige "Heilsarmee"
Dabei unterscheidet Varlin nicht zwischen der inspirierenden Formfülle seines Freundes Friedrich Dürrenmatt und einer Matratze. Von der Expo zu Dürrenmatt Die Varlin-Ausstellung «Perspektiven» im Museum Franz Gertsch versteht die Kuratorin Anna Schafroth als «Retrospektive, die bei den Pleinair-Anfängen mit spätimpressionistischem Gestus» beginnen und laut Gertsch-Kuratorin Anna Wesle beim «stilistischen Einzelgängertum» des Spätwerkes aufhören. Die beiden grossformatigen Bilder «Heilsarmee» und «Gente del mio paese» zeigte Varlin an der Expo 1964. Ersteres hing danach in Dürrenmatts Arbeitszimmer, das andere wird erstmals seit 40 Jahren ausserhalb von Varlins Bergeller Wohn- und Arbeitsort Bondo gezeigt.

Grossformatiges ist auch in den beiden Räumen zu sehen, die Franz Gertsch bespielt. Da ist zum einen der «Silvia»-Holzschnitt in einzigartigen Farbabzügen, die in einem Verlauf aufgehängt sind. Im anderen Raum sind neue Abzüge des «Sommer»-Bildes aus Gertschs «Vier-Jahreszeiten-Zyklus» ausgestellt. Sie sind betörend grün.

Im Kabinett stellt die deutsche Künstlerin Anja Ganster zum Begriff «Gezeitenreibung» eine grossformatige Mondlandschaft aus. Damit, aber auch mit Aquarellen von fremden Tagebüchern oder Erinnerungsfotos und menschenleeren Interieurs, öffnet die Künstlerin den Betrachtenden einen grossen Assoziationsraum. Katja Zellweger

Austellung: Museum Franz Gertsch, Platanenstrasse 3, 3400 Burgdorf, bis 4. März 2018

Autor
Quelle: Berner Kulturagenda